Erschütternd: Hansjörg Auer ist tot!


Der Paul-Preuss-Preisträger 2016 wurde in Kanada gemeinsam mit David Lama und Jess Roskelley das Opfer einer fürchterlichen Lawine.

Das unfassbare Unglück geschah aller Wahrscheinlichkeit nach am 16. April dieses Jahres. Hansjörg Auer, David Lama und Jess Roskelley hatten nach allem, was man bislang weiß, am 3295 m hohen Howse Peak im kanadischen Banff-Nationalpark nach einem äußerst schwierigen Anstieg durch die kombinierte Ostwand den Gipfel erreicht und befanden sich demnach bereits im Abstieg, als eine Lawine die drei Alpinisten mit in den Tod riss. John Roskelley, selbst ein weltbekannter Bergsteiger, hätte an diesem Tag von seinem Sohn via Telefon benachrichtigt werden sollen, was aber nicht geschehen war. Schon anderntags alarmierte John Rosskelley die Parkaufsicht, sie startete eine Suchaktion, bei der man einen großen Lawinenkegel und demnach auch Kletterausrüstung entdeckte, die Zelte im Basislager waren leer. Weitere Rettungsflüge waren vorerst wegen des schlechten Wetters nicht möglich, am Sonntag dann wurden die Leichen entdeckt und alles war traurige Gewissheit geworden: Drei der weltbesten Bergsteiger waren tragische Opfer jener Leidenschaft geworden, die sie nicht nur in Alpinistenkreisen berühmt gemacht hatte.

Wie sehr sich der Tiroler dem Gedankengut des Paul Preuss verwandt sah, dass „das Können des Dürfens Maß“ sei, zeigt diese Feststellung von ihm: Paul Preuss war für Hansjörg Auer „ein Könner der Freikletterei – dies gepaart mit einem kompromisslosen Umgang mit dem Risiko haben ihm zum besten Kletterer der damaligen Zeit werden lassen“. Dennoch hatte auch Preuss das Risiko immer einzuschätzen gewusst, und genau so hatte auch Hansjörg Auer sein überragendes Können in die Tat umgesetzt, eine Vorgehensweise nach der Devise „Wird schon gehen!“ war ihm fremd, er wusste, was er konnte, worauf er sich einlassen durfte und wozu er bei aller Kompromisslosigkeit fähig war. Ein falsches Einschätzen des Risikos entsprach nicht seinem grundsätzlichen Denken.

Seine herausragenden Erfolge allesamt aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Nachrufs sprengen, auf einige wenige „Highlights“ nur sei hingewiesen:

Schlagartig berühmt wurde Hansjörg Auer Ende April 2007, als er geradezu Unfassbares schaffte, damals als gerade mal 23jähriger Lehramtsstudent! Nicht ganz fünf Jahre zuvor hatte Alexander Huber mit der free solo-Begehung der „Hasse-Brandler“ an der Großen Zinne (VIII+) die Kletterwelt in kopfschüttelndes Staunen versetzt, und jetzt setzte Hansjörg Auer dem sozusagen noch eins drauf: free solo der „Weg durch den Fisch“ an der Marmolada-Südwand, 900 m Wandhöhe und bis zu IX -, das war nicht weniger unfassbar als Alexander Hubers Bravourstück! Schlagartig war Hansjörg Auer ins Rampenlicht der Kletterelite gerückt, selbst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete darüber.

Nach diversen weiteren Unternehmungen am Limit seiner persönlichen Leistungsfähigkeit wurde er Profibergsteiger und es zog ihn natürlich in die Berge der Welt, nach Alaska wie auf Baffin Island, nach Patagonien und natürlich in den Karakorum und in den Himalaya. Erfolge paarten sich mit Niederlagen, am Nilgiri Süd musste er nach der ersten Begehung der Südwand miterleben, wie einer seiner besten Freunde, Gerry Fiegl, mental und körperlich mehr und mehr abbaute und beim Abstieg in den Tod stürzte.

Alles ist nachzulesen in Hansjörg Auers Buch „Südwand“, das Ende 2017 erschienen ist. Darin wird nichts, aber schon gar nichts beschönigt, man liest kopfschüttelnd und mitgerissen, staunt nicht nur über die alpinistischen Großartigkeiten, sondern ist auch berührt von jenen Eigenartigkeiten, denen sich Hansjörg Auer ausgeliefert und die er wieder überwunden hatte.

Da heißt es unter anderem im Vorwort von Reinhold Messner:

„Der traditionelle Alpinismus, wie ihn uns Hansjörg Auer vorlebt, ist heute von den berühmten Bergen weggerückt in jene Wildnisareale, in denen Pistenbergsteiger und Speedkletterer nicht anzutreffen sind. Er ist mit seinen Partnern immer dort unterwegs, wo die vielen anderen nicht hingehen. Eigenverantwortung und Kreativität sind es, die ihn neben seinem Instinkt für die Wildnis und seinem Können die Herausforderungen der Jetztzeit finden lassen. Sein Spielfeld ist erstaunlich groß und lässt die verblüffendste Vielfalt von Klettereien zu.“

Vielleicht haben diese „Instinkte“ ihn gemeinsam mit David Lama und Jess Roskelley an den Howse Peak getrieben, an ihren Schicksalsberg. Hansjörg Auer und seine Freunde sind tot, man kann nur erschüttert und unendlich traurig sein.


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