Tiroler Freikletterer Heinz Mariacher achter Träger des Paul-Preuss-Preises - Treffen der alpinen Stars und Legenden

Mit dem Paul-Preuss-Preis 2020 ist als achter Träger dieser Auszeichnung am Dienstag, 25. August 2020, im Messner Mountain Museum Firmian in Sigmundskron bei Bozen der Tiroler Heinz Mariacher geehrt worden. Damit würdigt die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft die Lebensleistung und die Vorbildwirkung des 64-Jährigen, den Gastgeber Reinhold Messner (2013 übrigens der erste Träger dieser Auszeichnung) bei seiner Laudatio in der Felsenbühne des Museumsareals besonders würdigte: „Du hast viele klassische Routen geklettert, auch free solo; diese Haltung kommt aus einem archaischen Gefühl heraus“. Dazu brauche man nur seine Leidenschaft und die Freiheit, diese auch auszuüben. Mit seiner Route „Moderne Zeiten“ an der Marmolata habe er diesen Stil eingeleitet, „soweit als möglich alles frei zu klettern“. Das Unmögliche von Gestern müsse zum Möglichen des Heute werden, sagte Messner und stelle die gedankliche Brücke her zu Paul Preuss, dem großen Freikletterer aus dem steirischen Salzkammergut, der mit seinem Stil, dem Verzicht auf möglichst alle Hilfsmittel, damals das Klettern in eine neue Dimension geführt hat.

Den Paul-Preuss-Preis, eine von dem Siegsdorfer Künstler geschaffene Stahl- Skulptur des 1913 tödlich abgestürzten Bergsteigers, überreichte dem Geehrten Georg Bachler aus Abtenau, seit Februar 2020 Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft (IPG) und damit Nachfolger von Lutz Maurer, dem Initiator dieses Preises. Bachler bewertete die Leistungen von Paul Preuss als „Ausdruck von Freiheit, einem Urwunsch der Menschheit“. Er erinnerte auch an den Wahlspruch von Paul Preuss „Das Können ist des Dürfens Maß“ und betonte, das dieses Können der Alpinisten auch eine Pflicht zur Verantwortung sei. Dabei betonte er den Wunsch des Vereins, eine Brücke herzustellen von den „Erfahrenen zu den Jungen“, und gab bekannt, dass sich die IPPG darum bemühe, auch einen Jugend-Förderpreis zu vergeben, bei dem die Leistungen der jungen Klettergeneration gewürdigt und deren Entwicklung gefördert werden solle.

Heinz Mariacher betonte in seiner Dankesrede, „dass wir aus den die Erfahrungen, die wir uns aus den Bergen holen, die Ängste, die Hochgefühle und die Zweifel, Kraft holen können“. Zum erstenmal habe er Paul Preus bewusst wahrgenommen, als er 1974 den Preuss-Riss an der Kleinen Zinne geklettert sei. Umso mehr freute er sich über diese Auszeichnung. Seine Kletterphilosophie entspricht jener von Paul Preuss in großen Teilen, denn seine zahlreichen Erstbegehungen führte er in dessen Sinne aus.

Die Redner hatten bei dieser Preisverleihung besonders aufmerksame Zuhörer, denn in Messners Museum bei Bozen waren so viele alpine Legenden und gegenwärtige Stars der Szene anwesend, um Mariacher ihre Aufwartung zu machen, wie wohl noch nie. Georg Bachler: Dieses Treffen sei ein „alpinhistorisches Ereignis“, denn hier seien zahlreiche Gäste zusammengekommen, „die Alpingeschichte geschrieben haben“. Und sein Vorgänger Lutz Maurer, erfahrener Fernsehjournalist und Gründungsobmann der 2014 ins Leben gerufenen Gesellschaft, betonte später: „Ich habe noch nie eine solche Ansammlung von Alpinisten gesehen wie hier.“

In der Tat waren viele einstige und aktuelle Spitzenkletterer und Bergsteiger der Einladung der IPPG gefolgt, so dass es hier in Firmian das wohl erste und größte Treffen von alpinen „Stars“ aus drei Generationen war: Von den alpinen Legenden wie Wolfgang Nairz, Sigi Hupfauer, Hanns und Lilo Schell, Christoph Hainz, Darshano L. Rieser bis Thomas und Alexander Huber, Beat Kammerlander, Hanspeter Eisendle sowie den jungen Florian Buhl und Dani Arnold, um nur einige zu nennen. unter den Gästen auch der Spitzenkletterer und Fotograf Heinz Zak, der die Kletterfotografie revolutioniert hat. Die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft ist damit im siebten Jahr ihres Bestehens in der alpinen Szene „endgültig angekommen“.

26.08.2020/H.

Es sei ihm eine Ehre, mit Paul Preuss in Verbindung gebracht zu werden. Mit diesen Worten kommentierte Heinz Mariacher (65), Extrembergsteiger aus Tirol, den Beschluss der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG), ihm als achtem Bergsteiger den Paul-Preuss-Preis zu überreichen.

Mit Heinz Mariacher prämiert die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft einen Kletterer, der vor allem in den siebziger und anfangs der achtziger Jahre das alpine Sportklettern revolutioniert hat. Der sympathische, jetzt in Südtirol lebende, stets bescheiden gebliebene Tiroler hat mit seinen außerordentlich schwierigen, wunderbaren Routen Meilensteine gesetzt und die Leistungsgrenze im Klettern ohne künstliche Hilfsmittel in damals nicht für möglich gehaltene Dimensionen gehoben. Vor allem mit seiner Route "Moderne Zeiten" im Jahr 1982 an der Marmolada hat er alpine  Geschichte geschrieben.

Die Dolomiten waren und sind heute noch sein "Freikletter-Wunderland". Seine Routen, kreativ, elegant, wunderschön von der Linienführung her, konsequent ohne Bohrhaken gesichert und meist mit seiner kongenialen Partnerin Luisa Giovane geklettert, waren unglaublich beeindruckend für nachfolgende Kletterergenerationen.

Zwei besonders „Preuss-nahe“ Episoden sind ihm im Gedächtnis geblieben: „Mein Solo- Abenteuer als Elfjähriger im Rofan, pure Begeisterung für Felswände und kompromissloses Akzeptieren einer Herausforderung (V+), ohne jegliche Kletterausrüstung oder alpinhistorisches Wissen. Später, in den 70er-Jahren als gereifter Kletterer, liebte ich spontane Alleinbegehungen, am liebsten ohne vorherige Kenntnis der Routen. Dabei praktizierte ich das Konzept des Auf- und Abkletterns, nicht weil ich Preuss gelesen hatte, sondern weil es vor allem im Frühjahr das beste System war, um verschneite Abstiege zu vermeiden.“ 

Auf sich allein gestellt ins Unbekannte zu klettern sei durch nichts zu überbieten, und das Seil durch Abklettern zu ersetzen eine logische und natürliche Entwicklung, sagt Mariacher, der 1979, nachdem er an der Marmolata den Confortoriss free solo erklettert hatte, „tief überzeugt (war,) dass die Zukunft des Kletterns seilfrei sein würde“.

Die Entwicklung des Sportkletterns sah Mariacher aber kritisch: Mit dessen Verbreitung wurde, so Mariacher, „Klettern als spirituelles Erlebnis … durch streberhaftes Leistungs- und Wettbewerbsdenken ersetzt“. Das war nicht mehr seine Welt, und so fiel ihm die Entscheidung leicht, seine „Karriere“ als Kletterprofi durch eine seriöse berufliche Entwicklung aufzugeben. Er betätigte sich an der Entwicklung und dem Vertrieb für Kletterschuhe, blieb aber seiner Leidenschaft fürs Klettern treu, ohne sich „an allgemeine Trends anzupassen“.

Mit dem Paul-Preuss-Preis befindet sich Heinz Mariacher in prominenter Gesellschaft. Die bisherigen Preisträger: 2013: Reinhold Messner; 2014: Hanspeter Eisendle; 2015: Albert Precht (✝); 2016: Hansjörg Auer (✝); 2017: Alexander Huber; 2018: Beat Kammerlander; 2019: Bernd Arnold.

Dr. Paul Preuss (1886-1913) aus Altaussee im steirischen Salzkammergut, Sohn jüdischer Eltern, verzichtete bewusst auf jegliche Sicherungs- und Hilfsmittel, sogar das Abseilen lehnte er ab. Binnen weniger Jahre gelangen ihm 1200 Fels-, Ski- und Hochtouren, davon 150 Erstbegehungen und 300 Alleingänge, in allen Teilen der Alpen. Am 14. Oktober 1913 wurde er, vom ersten Schnee bedeckt, tot am Fuße der Nordkante des Mandlkogels im Gosaukamm gefunden; die genauen Umstände seines Todes blieben ungeklärt.

Die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft kreierte 2013 diese Auszeichnung für herausragende Kletterer, die Freiklettern im Sinne und auch im Stil von Paul Preuss konsequent und über Jahre praktiziert haben. Nicht kurzfristige Höchstleistung, sondern ihr alpines Lebenswerk wird mit diesem Preis gewürdigt.

09.08.2020